Ende EEG-Förderung: Was passiert nach 20 Jahren Einspeisevergütung?

Ein Geburtstag, über den sich nicht jeder freut: Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) wird 2021 runde 20 Jahre alt, wodurch die EEG-Förderung der ersten Photovoltaikanlagen ausläuft. Das bedeutet, dass alle im Jahr 2000 in Betrieb gegangenen Photovoltaikanlagen ab dem 1. Januar 2021 keine Einspeisevergütung für Solarstrom mehr erhalten. In den Jahren danach fallen jährlich weitere Photovoltaikanlagen aus der EEG-Förderung. Die meisten dieser Anlagen haben ihre Lebenszeit jedoch noch nicht erreicht und sind weiterhin funktionsfähig. Die Betreiber stehen daher vor der Frage, was sie nach dem Ende der EEG-Förderung mit Ihrer PV-Anlage machen sollen.

Achtung: Nichts zu tun und den Strom einfach weiter ins Netz einzuspeisen ist keine Option. Die Netzbetreiber könnten dies als illegale „wilde Einspeisungen“ werten.

Photovoltaik bis 2011: Einspeisevergütung als Haupteinnahmequelle

Die Photovoltaik-Pioniere der ersten 10 Jahre nach Einführung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (im Jahr 2000) nutzen ihre Photovoltaikanlagen anders als heutige Betreiber. Bis zum Jahr 2011 lag die garantierte Einspeisevergütung für Solarstrom über dem Strompreis. So gab es 2001 noch 50,6 Cent pro Kilowattstunde, rund 40 Cent mehr als heute. Da bei älteren Anlagen das Einspeisen im Vordergrund steht, wurden die Anlagen nicht für den Eigenverbrauch ausgelegt. Das bedeutet jedoch nicht, dass ein Eigenverbrauch nicht möglich oder sinnvoll ist. Im Gegenteil stellt der Eigenverbrauch die wahrscheinlich lukrativste Lösung für die Zeit nach der EEG-Förderung dar.

Option 1: Weiterbetreiben der Anlage für den Eigenverbrauch

Eine Photovoltaikanlage stellt heute eine der günstigsten Formen der Energieerzeugung dar. Im Schnitt kostet die Erzeugung von Strom mit einer eigenen Photovoltaikanlage ca. 11 Cent pro Kilowattstunde. Der aktuelle Preis für Strom aus dem öffentlichen Netz liegt dagegen bei rund 30 Cent pro kWh. Ein hoher Eigenverbrauch lohnt sich daher: Je weniger Strom aus dem Netz bezogen werden muss, desto niedriger fällt auch die Stromrechnung aus. Der einzige Wermutstropfen hierbei ist, dass auch kleine PV-Anlagen (unter 10 kW) nach der jetzigen Gesetzeslage eine reduzierte EEG-Umlage auf den selbstverbrauchten Strom zahlen müssen. Das Privileg des Entfalls dieser Umlage ist nämlich ebenfalls nur auf 20 Jahre beschränkt. PV-Besitzer dürfen hierbei jedoch noch auf eine Änderung hoffen, da der Eigenverbrauch bei Anlagen bis 30 kW laut Forderungen der EU nicht zusätzlich belastet werden soll.

Wie kann der Eigenverbrauch bei alten PV-Anlagen gesteigert werden?

Da ältere Photovoltaikanlagen für die Einspeisung von Strom ausgelegt sind, müssen sich die Hausbewohner nach dem Ende der EEG-Förderung auf die neue Situation umstellen. Das bedeutet eine Anpassung des eigenen Nutzungsverhaltens an die Eigenschaften einer PV-Anlage. Darüber hinaus bietet sich die Installation zusätzlicher Komponenten wie z.B. ein Stromspeicher oder eine Power-to-Heat-Lösung an. Auch der Umstieg auf ein Elektroauto kann den Eigenverbrauch erhöhen, da das E-Auto mit Solarstrom geladen werden kann. Ob und welche Anschaffungen sich für den Haushalt lohnen, sollte individuell geprüft werden. Lassen Sie sich hierbei am besten von einem Fachmann – zum Beispiel unserem Experten – beraten.

Option 2: Weiterbetreiben für Weiterverkauf des Solarstroms

Die zweite Option ist der Verkauf des Solarstroms. Natürlich ist hierbei auch eine Kombination mit Option 1 möglich. Grundsätzlich besteht nach Ablauf der EEG-Förderung weiterhin ein Anspruch auf die Netzanbindung der Anlage. Allerdings ist hierfür im Rahmen einer „sonstigen Direktvermarktung“ (EEG 2017 §21a) ein Vertrag mit einem Energieversorgungsunternehmen, den Stadtwerken oder anderen Stromhändler abzuschließen. Der Preis ist Verhandlungssache, richtet sich aber wahrscheinlich nach dem auf dem Strommarkt zu erzielenden Erlös. Der Wechsel der Vermarktungsform ist dem Netzbetreiber mitzuteilen. Eventuell ist auch die Anschaffung eines anderen Zählers nötig.

Option 3: Abbau der Anlage und Verkauf der Komponenten

Die letzte Option ist der Abbau der Photovoltaikanlage und der anschließende Verkauf der funktionsfähigen Komponenten auf verschiedenen Online-Marktplätzen. Die Ertragsleistung und Funktionsfähigkeit der Anlage sollte vorher am besten ein zertifizierter Gutachter prüfen und bescheinigen. Aus ökologischer Sicht ist die Demontage der Anlage jedoch definitiv nicht sinnvoll, und auch aus wirtschaftlicher Sicht ist eine Berechnung des zu erwartenden Erlös vorher zu empfehlen, um keine falsche Entscheidung zu treffen.

Fazit: Das Ende der EEG-Förderung bedeutet nicht das Ende der PV-Anlage

Die Betreiber älterer Photovoltaikanlagen stehen derzeit vor der Frage, was nach dem Ende der EEG-Förderung mit ihrer Anlage passieren soll. Da die Anlagen in der Regel noch funktionsfähig sind, ist eine Demontage nicht zwingend notwendig. Im Gegenteil ist der Weiterbetrieb einer PV-Anlage sowohl aus ökologischer, als auch aus wirtschaftlicher Sicht sinnvoll. Die Bundesnetzagentur versucht derzeit, bessere Vorschriften für die Betreiber alter Photovoltaikanlagen beim Gesetzgeber zu erwirken (z.B. Streichung der EEG-Umlagen-Zahlung). Auch die Wissenschaftler des Fraunhofer ISEs, die derzeit eine Befragung von Betreibern alter PV-Anlagen durchführen, hoffen auf den Beschluss einer Anschlussregelung durch den Gesetzgeber bis 2021. Es bleibt somit abzuwarten, ob es noch bessere Lösungen als die vorgestellten Optionen für alte PV-Anlagen gibt.

 

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