Haftpflichtversicherung und Wohngebäudeversicherung für Photovoltaikanlagen - was braucht man und lohnt sich eine Photovoltaik-Versicherung

Photovoltaikanlagen stellen eine Investition dar, die durch eine lange Laufzeit für eine gute Rendite sorgt. Wird die Anlage zwischendurch beschädigt oder komplett lahmgelegt, drohen finanzielle Einbußen. Zudem können auch Schäden an Dritten durch die Anlage entstehen. Die Versicherung der Photovoltaikanlage schützt die Betreiber vor unvorhergesehenen Schadensfällen und sorgt für Sicherheit. Doch was leisten eine Haftpflichtversicherung und Wohngebäudeversicherung für Photovoltaikanlagen? Ist eine spezielle Photovoltaik-Versicherung sinnvoll oder nur ein unnötiger Kostenfaktor?

Welche Versicherungen gibt es für Photovoltaikanlagen?

Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten zur Versicherung der Photovoltaikanlage:

  1. Option: Zusatzbaustein bei einer Wohngebäudeversicherung (Aufnahme in bestehende Wohngebäudeversicherung)
  2. Option: Separate Photovoltaik-Versicherung und dadurch eigenständige Absicherung der Anlage

Die erste Option ist mit geringeren Versicherungskosten verbunden, deckt allerdings nicht alle Schäden ab. Durch eine separate Photovoltaik-Versicherung ist ein umfangreicher Schutz der Anlage möglich, wobei die genauen Leistungen je nach Anbieter variieren.

Muss man eine Photovoltaikanlage versichern?

Es gibt keine Versicherungspflicht für Photovoltaikanlagen. Ein Basisschutz in Form einer Mitversicherung in der Wohngebäudeversicherung ist jedoch ratsam, da Schäden an der Anlage schnell hohe Reparaturkosten verursachen können.

Wichtig: Schließen Sie die PV-Anlage in jedem Fall in Ihre Haftpflichtversicherung ein!

Eine PV-Anlage kann nicht nur beschädigt werden, sondern auch Schäden verursachen. Die Betreiber haften für sämtliche Schäden, die Dritten durch die Anlage zugefügt wurden. Aus diesem Grund sollte die PV-Anlage in jedem Fall in die private Haftpflichtversicherung aufgenommen werden. Im Gegensatz zu Sachschäden an der Anlage sind Fremdschäden quasi unkalkulierbar. Allein ein vom Dach gerutschtes Modul, das einen Passanten verletzt, kann eine beträchtliche Schadenssumme verursachen. Prüfen Sie daher, ob die PV-Anlage durch Ihre private Haftpflichtversicherung abgedeckt werden kann. Lassen Sie sich von Ihrer Versicherungsgesellschaft eine entsprechende schriftliche Bestätigung geben. Wenn die private Haftplichtversicherung nicht alle Fremdschäden abdeckt, können Sie sich alternativ mithilfe einer Haus- und Grundbesitzerhaftpflicht (HuG) oder einer Betreiber-Haftpflicht absichern.

Option 1: Photovoltaikanlage über Wohngebäudeversicherung versichern

In den meisten Fällen kann eine private Photovoltaikanlage durch einen Zusatzbaustein in die bestehende Wohngebäudeversicherung aufgenommen werden. Informieren Sie Ihre Versicherung in jedem Fall rechtzeitig vor Inbetriebnahme über die neue Anlage, da manche Gesellschaften Photovoltaikanlagen als „anzeigepflichtige Gefahrenerhöhung“ betrachten. Dies gilt übrigens auch für Solarthermie- und Geothermie-Anlagen sowie für Wärmepumpen. Fragen Sie vor der Installation der Anlage, was eine Mitversicherung kostet und ob hierfür bestimmte Auflagen zu erfüllen sind. Einige Versicherer knüpfen eine Mitversicherung beispielsweise an die Vorgabe, dass bei der Installation auf einen optimalen Blitzschutz geachtet wird.

Reicht eine Wohngebäudeversicherung zur Absicherung der Photovoltaikanlage?

Eine Wohngebäudeversicherung deckt in der Regel Schäden durch Feuer, Explosion, Sturm, Hagel, Blitz und Leitungswasser ab. Da ein Blitzeinschlag (direkt oder indirekt) große Schäden an der Photovoltaikanlage verursachen kann, sollte die Anlage über einen inneren und äußeren Blitzschutz verfügen.

Wenn eine Photovoltaikanlage im Rahmen einer Wohngebäudeversicherung abgesichert wird, handelt es sich um einen Basis-Schutz. Dementsprechend werden nicht alle Schäden abgedeckt – informieren Sie sich über die genauen Leistungen. So sind häufig Schäden durch Überspannung oder Diebstahl nicht Teil der Versicherungsleistung.

Option 2: Separate Photovoltaik-Versicherung

Neben dem Einschluss in die Wohngebäudeversicherung kann für eine PV-Anlage auch eine eigene Versicherung abgeschlossen werden. Eine separate Photovoltaik-Versicherung ist mit höheren Beitragskosten verbunden, schützt aber vor deutlich mehr Schäden. Im Allgemeinen wird zwischen einer Elektronik- und einer Allgefahrenversicherung unterschieden, wobei erstere weniger Schäden abdeckt.

Die genauen Leistungen variieren und können meist auch individuell angepasst werden. Achten Sie daher genau darauf, welche Schäden die jeweilige Versicherung abdeckt und welche Ausschlüsse es gibt. Wichtig ist hierbei auch, was genau bezahlt wird: Gibt es bei einem Totalschaden eine neue Anlage oder wird nur der Restwert ausgezahlt? Wie hoch ist eine etwaige Selbstbeteiligung?

Was leistet eine Photovoltaik-Versicherung?

Eine gute Photovoltaik-Versicherung deckt sämtliche Schäden an der Photovoltaikanlage und den Anlagen-Komponenten ab (Wechselrichter, Zähler, Montagesystem, Anschlüsse, Verkabelung, Verbindungsstücke des Montagesystems). Optional ist auch eine Versicherung weiterer Komponenten wie Überspannungsschutzvorrichtungen, Blitzschutzeinrichtungen, Trafos, Akkus, Überwachungsanlagen und Datenlogger möglich.

Folgende Schäden sollte eine Allgefahrenversicherung abdecken:

  • Feuer bzw. Brand
  • Hagel
  • Sturm
  • Blitzschlag
  • Überspannung
  • Diebstahl
  • Vandalismus
  • Regen
  • Schneedruck
  • Frost
  • Überschwemmung
  • Bedienungsfehler
  • Fahrlässigkeit
  • Induktion
  • Kurzschluss
  • Explosion
  • Schäden durch Konstruktions- oder Materialfehler
  • Tierbisse (z.B. durch Mader)
  • Feuchtigkeit

Welche Schäden deckt auch eine Allgefahren Photovoltaik-Versicherung nicht ab?

Auch bei einer Allgefahrenversicherung werden bestimmte Leistungen ausgeschlossen. Dies sind i.d.R. Schäden durch: Innere Unruhen, Abnutzung und Alterung, Garantieschäden, Krieg, Erdbeben, Kernenergie und Vorsatz durch den Versicherungsnehmer.

Daneben gibt es auch noch separate Ertragsausfallversicherungen, welche jedoch oft erst nach einem bestimmten Zeitraum greifen. Zudem ist die Höhe der Erstattung von der Jahreszeit abhängig. Für Schäden, die im Rahmen der Montage entstehen können, gibt es ebenfalls eine separate Versicherung.

Wer braucht eine Photovoltaik-Versicherung? Lohnt sich der höhere Beitrag?

Eine PV-Versicherung lohnt sich besonders bei großen Anlagen, denn mit der Größe der Anlage steigt auch die maximale Schadenssumme. Ob eine PV-Versicherung nötig ist, hängt somit von der Anlage und den äußeren Umständen ab. Folgende Faktoren und Fragen sind bei der Entscheidung für eine PV-Versicherung besonders relevant:

  • Welche Leistung hat die Anlage bzw. wie viel Strom erzeugt sie?
  • Standort der Anlage: Handelt es sich um eine Dach- oder eine Freiflächen-Anlage? Ist das Grundstück abgesichert? Ist das Haus regelmäßig bewohnt? Gibt es Nachbarn oder steht das Gebäude alleine?
  • Montage-Art: Wie wurden die Module montiert? Handelt es sich um eine Indach- oder Aufdach-Montage?
  • Befindet sich die Anlage auf dem eigenen Hausdach oder auf fremden Eigentum?
  • Welche Schäden deckt die Wohngebäudeversicherung ab?

Fazit: Haftpflichtversicherung und Basisschutz sind in jedem Fall sinnvoll

Eine Versicherung schützt den Betreiber einer Photovoltaikanlage vor unvorhergesehenen Schäden. Das wichtigste Kriterium ist die Preis-Leistung. Eine günstiges Angebot ist nicht sinnvoll, wenn wichtige Schadensfälle sind abgedeckt sind.  Zu den häufigsten Schäden zählen Feuer, Sturm, Blitz, Überspannung und Schneedruck. In jedem Fall sollte ein Vergleich verschiedener Angebote und Anbieter stattfinden. Hierbei sind Portale und Seiten wie z.B. Stiftung Warentest hilfreich. Achten Sie darauf, welche Leistungen eingeschlossen und ausgeschlossen sind. Ob die Wohngebäudeversicherung ausreicht oder eine separate Photovoltaik-Versicherung sinnvoll ist, richtet sich nach der jeweiligen Anlage.

Wir empfehlen Ihnen, die Photovoltaikanlage in jedem Fall in die private Haftpflichtversicherung einzuschließen, da die Schäden an Dritten hohe Kosten verursachen können. Da die Mitversicherung in der Wohngebäudeversicherung meist nicht viel kostet, aber vor teuren Schäden schützt, ist auch sie sinnvoll, sofern Sie keine separate Photovoltaik-Versicherung abschließen. Informieren Sie in jedem Fall Ihre Wohngebäudeversicherung rechtzeitig über die neue Anlage, da sich der Wert des Gebäudes und das Gefahrenpotenzial (aus Sicht mancher Versicherungsgesellschaften) durch die PV-Anlage erhöhen.

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