Umsatzsteuer bei Photovoltaikanlagen - wie sieht die steuerliche Behandlung von PV aus?

Das Betreiben einer Photovoltaikanlage ist für einen Privathaushalt mit verschiedenen Vorteilen verbunden. Gleichzeitig müssen die Betreiber aber auch gewisse rechtliche Pflichten erfüllen. Wir erklären, wie die steuerliche Behandlung von Photovoltaikanlagen bezüglich Umsatzsteuer, Einkommenssteuer, Gewerbesteuer und Grunderwerbssteuer aussieht und was Sie als Betreiber einer PV-Anlage bei der Steuererklärung beachten müssen.

Dieser Artikel bildet den ersten Teil unserer Reihe zur steuerlichen Behandlung von Photovoltaikanlagen. Der Fokus liegt auf den Regelungen bezüglich der Umsatzsteuer („Mehrwertsteuer“) auf selbsterzeugten Solarstrom. Die Vorschriften zur Einkommenssteuer sind im zweiten Teil und jene zur Gewerbesteuer und Grunderwerbssteuer im dritten Teil zu finden. Zudem finden Sie im dritten Teil ein zusammenfassendes Fazit.

PV-Anlagenbetreiber gelten als Unternehmer

Das Wichtigste zuerst: Das Betreiben einer Photovoltaikanlage macht Sie in den Augen des Finanzamtes zum Unternehmer. Das Einspeisen von Strom in das öffentliche Stromnetz gilt als eine gewerbliche Tätigkeit und ist damit steuerpflichtig. Auch wenn die PV-Anlage hauptsächlich zur Deckung des Eigenbedarfs betrieben wird, müssen die steuerlichen Vorschriften des Finanzamtes ohne Ausnahme beachtet werden.

Umsatzsteuer bei Photovoltaikanlagen: Muss man Steuern zahlen?

In Deutschland müssen Endverbraucher in der Regel 19 Prozent Umsatzsteuer (auch Vorsteuer genannt) zahlen, beispielsweise bei der Anschaffung der PV-Anlage. Theoretisch müssen Privathaushalte daher auch auf den Solarstrom aus netzgekoppelten Photovoltaikanlagen eine Umsatzsteuer zahlen.

Beim Finanzamt gibt es für die Betreiber privater PV-Anlagen allerdings zwei steuerrechtliche Optionen, die mit unterschiedlichen Vor- und Nachteilen verbunden sind. So können Privatleute entweder die Kleinunternehmerregelung (KU) oder die Vorsteuererstattung (Umsatzsteuerpflicht-Option) nutzen. Was diese Optionen für die Praxis bedeuten, haben wir im Folgenden zusammengefasst.

Kleinunternehmer-Regelung bei Photovoltaikanlagen

Für die Nutzung der Kleinunternehmer-Regelung (KU) darf ein Betreiber mit der PV-Anlage einen Jahresumsatz von maximal 17.500 Euro erwirtschaften. Kleine Photovoltaikanlagen erzielen diese Summe aber praktisch nie, weshalb diese Einschränkung keine Hürde für Privathaushalte darstellt. Der große Vorteil der Kleinunternehmer-Regelung ist der Entfall der Umsatzsteuer auf selbsterzeugten Solarstrom. Dafür können die beim Kauf der Photovoltaikanlage bezahlten Umsatzsteuern aber nicht steuerlich gelten gemacht und somit nicht zurückgeholt werden. Die KU bedeutet den geringsten Aufwand für PV-Anlagenbetreiber, aber eben auch den Verzicht auf die Erstattung der beim Kauf gezahlten Umsatzsteuern (auch Vorsteuer genannt).

Keine Wahl haben Personen, die ihr Einkommen mit einer selbstständigen Tätigkeit generieren und bereits umsatzsteuerpflichtige Umsätze von mehr als 17.500 Euro erzielen.  Selbstständige sind hiernach automatisch umsatzsteuerpflichtig.

Vorsteuererstattung und damit Umsatzsteuerpflichtige PV-Anlagen

Wer sich gegen die Kleinunternehmer-Regelung entscheidet oder diese nicht nutzen darf, muss eine Umsatzsteuer auf den selbsterzeugten Strom zahlen. Allerdings darf in diesem Fall die Umsatzsteuer der Photovoltaikanlage steuerlich geltend gemacht werden. Bei einer Anlage für 15.000 Euro netto beträgt die Rückzahlung damit 2.850 Euro. Wer mit der PV-Anlage auch direkt einen Stromspeicher installiert hat, kann diesen ebenfalls umsatzsteuerrechtlich geltend machen. Bei einer Nachrüstung ist dies jedoch nicht möglich.

Die Umsatzsteuer, die auf den selbsterzeugten Strom gezahlt werden muss, setzt sich aus dem Steuerbetrag für den selbstverbrauchten und dem Betrag für den eingespeisten Strom zusammen. Für den selbstverbrauchten Strom wird der aktuelle Preis für Strom aus dem öffentlichen Netz als Berechnungsgrundlage angesetzt. Für den eingespeisten Strom bildet die Höhe der Einspeisevergütung die Grundlage.

In den ersten beiden Jahren muss bei der Umsatzsteuer-Regelung zudem monatlich eine Umsatzsteuervoranmeldung an das Finanzamt übermittelt werden. Bei dieser wird das Umsatzsteuer-Soll mit den Erstattungen abgeglichen. Nach zwei Jahren entfällt diese Pflicht und es muss nur noch eine jährliche Steuererklärung für die Umsatzsteuermeldung abgegeben werden. Die Erstattung der beim Kauf der PV-Anlage gezahlten Umsatzsteuer bedeutet also einen höheren bürokratischen Aufwand und das regelmäßige Zahlen einer Umsatzsteuer auf den selbsterzeugten Strom. Wer die Wahl hat, sollte beide Optionen durchrechnen, um die bessere Option zu bestimmen. Nehmen Sie am besten die Hilfe eines Steuerberaters in Anspruch, der Ihre Situation individuell prüft.

Ist ein späterer Wechsel auf die Kleinunternehmer-Regelung möglich?

Ein Wechsel von der Umsatzsteuerpflicht auf die Kleinunternehmer-Regelung ist nach einer gewissen Zeit möglich, aber nur, wenn die Einkünfte aus unternehmerischer Tätigkeit nicht über 17.500 Euro liegen. Für Selbstständige ist ein Wechsel daher in der Regel auch später nicht möglich. Wer unter der Höchstgrenze von 17.500 Euro bleibt, kann nach ein paar Jahren auf die Kleinunternehmer-Regelung wechseln. In der Praxis beträgt diese Zeitspanne sieben Jahre, denn neben der fünfjährigen Bindungsfrist ist zusätzlich ein Korrekturzeitraum von einem Jahr zu beachten. Und da ein Wechsel nur kalenderjährlich möglich ist, verbleiben Betreiber in der Praxis sieben Jahre in der Vorsteuer-Regelung.

Fazit zur Umsatzsteuer bei Photovoltaikanlagen

In Deutschland beträgt die Umsatzsteuer auf selbsterzeugten Solarstrom 19 Prozent. Private Betreiber können die Steuer jedoch sparen, wenn sie die Kleinunternehmerregelung nutzen. Dies bedeutet gleichzeitig einen deutlich geringeren Aufwand bei der Steuererklärung, da die Berechnung der Umsatzsteuer-Abgaben entfällt. Allerdings kann die Umsatzsteuer der Photovoltaikanlage und eines optionalen Stromspeichers dann auch nicht steuerlich geltend gemacht werden. Wer sich gegen die Kleinunternehmerregelung entscheidet, kann die Umsatzsteuer zurückholen, muss dafür aber auch Umsatzsteuern auf den Solarstrom zahlen. Wer nicht selbstständig ist und damit die freie Wahl hat, sollte beide Optionen vor der Anschaffung der PV-Anlage durchrechnen.

Bitte beachten Sie, dass dieser Artikel nur einen ersten Überblick bezüglich der Umsatzsteuer-Regelung bei Photovoltaikanlagen gibt. Wenden Sie sich vor dem Kauf einer PV-Anlage am besten an einen Steuerberater, um Ihren individuellen Fall zu besprechen. Da Änderungen bei den steuerrechtlichen Vorschriften möglich sind, übernehmen wir keine Garantie für die hier veröffentlichten Informationen.

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